Klaus Wagner 1930 - 2011

 

Theater- und Fernsehregisseur, Grimmepreisträger

und Intendant am Theater Heilbronn  von 1980 bis 2003

 

 „Was wir heute in die Bildung und in die Kultur investieren, müssen wir morgen nicht in die Polizeiarbeit stecken.“ (Wagner 1980)   

 

Wagner gelangte zu dieser ganz persönlichen Einschätzung, da er aus seiner eigenen Lebensgeschichte heraus zu der tiefen Überzeugung gelangt war, dass ein Mensch, der tief und wahrhaftig berührt wird von Kunst und Kultur, seine Identität und seine Existenz niemals zum Schaden anderer einsetzt. Er benutzte diese Aussage auch, um die Besucher seines Theaters in 23 Jahren immer wieder zu provozieren, nachzudenken und  sich geistig auseinanderzusetzen und sich im besten Sinne über Inhalte und Substantielles zu streiten. Er nutzte diese Überzeugung auch als Baustein seiner Argumentationsschiene, um in den 23 Jahren seiner Intendanz in jedem Kalenderjahr wieder neu seinen Theateretat mit der Stadt auszuhandeln.

 

Seit 1975 arbeiteten Madeleine Lienhard und Klaus Wagner zusammen. In den frühen 80er Jahren, zu Beginn seiner Intendanz in Heilbronn war Wagner Vorreiter in der Branche mit der Idee, junge Autoren kontinuierlich uraufzuführen. Die eingereichten Stoffe waren allerdings zu oft nicht ausgereift, um den direkten Weg auf die Bühne finden zu können. Klaus Wagners Fazit 2003: „Als grobe Bilanz aus 23 Jahren Intendantentätigkeit kann ich sagen, dass ich etwa 10.000 zur Erst- oder Uraufführung angebotene Theatermanuskripte gelesen und geprüft habe. Immer wieder schmerzlich aufgefallen ist mir dabei, wie einem guten Grundgedanken – einer erregenden Geschichte – der Erfindung lebendiger Figuren und Situationen – die stilistische Form der Durcharbeit mangelte. Inhalt, Sprache und Szenenfolge der Manuskripte bildeten selten eine Einheit.“

 

Klaus Wagner schätzte die Qualifikation und Begabung von neuen Autoren aufgrund seiner Erfahrungen und Kenntnisse von Autorenschaft folgendermaßen ein: „[…]die Verschiedenartigkeit der speziellen Begabungen, die heutzutage zusammenkommen müssen, um einen dramatischen Text, eine epische Szenenfolge einem heutigen Publikum nahe zu bringen, ist derart komplex, dass eine Einzelbegabung sie selten auf sich vereinigen kann.“

 

Und: „Das alte Ideal des Autors in der Dachstube, der wie Goethe den „Clavigo“ oder Georg Büchner „Leonce und Lena“ in einem großen Wurf in acht Tagen aus sich heraus schreiben konnte, gilt nicht mehr. Dafür ist die „Kundigkeit“ des Publikums zu anspruchsvoll und das Feld der literarischen Angebote auf dem Markt zu groß geworden. Dasselbe gilt für Fernsehmanuskripte. Auch hier bedarf es dramaturgischer Textarbeit und schriftstellerischer Qualifizierung[...]“

 

Wagner weiter: “Wahrhaftige, authentische Geschichten, also neue Geschichten aus dem gegenwärtigen, lebenswelt- und alltagsbezogenen Erleben, sind in der modernen, deutschsprachigen Theater- und Filmliteratur zu selten anzutreffen. Die heutige Medienlandschaft wird von Angeboten aus Action, Fantasy und Science Fiction dominiert. Authentische Texte aber bilden die Grundlage für neue spannende Geschichten, neue unvergessliche Theaterstücke und neue anregende Filmskripte. […]“

 

Klaus Wagner verpflichtete, als Theaterintendant, junge Stückeschreiber in den 80er Jahren, an ihren Vorlagen weiter zu arbeiten. Die Autoren qualifizierten sich auf diese Weise schriftstellerisch. Das rheinland-pfälzische Weindorf Eckenroth bot schon damals einen idealen Rahmen für diesen Rückzug. Die jungen Theaterautoren fanden hier Lebens- und Arbeitsraum, Zeit und fachliche Begleitung.

 

Zitate stammen aus „Liebe Theaterfreunde“, Theater Blatt

und aus der unvollendeten Buchvorlage Klaus Wagners

 

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Nach 23 Jahren Intendanz in Heilbronn inszenierte Klaus Wagner bei den Klosterfestspielen Weingarten von 2004 bis 2011.


Ab 2006 begann er Pläne zu entwerfen, den Schreib-Talenten von Eckenroth ein eigenes Schreib-Haus zu bauen. Am 5. Mai 2010, zu seinem runden Geburtstag von 80 Lenzen, wurde das Schreib-Haus in Anwesenheit von Schreib-Talenten, Freunden und Förderern feierlich eröffnet.

 

 

 

Klaus Wagner